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Drewermann aus katholischer Kirche ausgetreten
Der prominente Kirchenkritiker Eugen Drewermann ist nach langjährigem Streit aus der katholischen Kirche ausgetreten. Der Theologe und suspendierte Priester sagte am Dienstagabend (13.12.05) in der ARD- Sendung "Menschen bei Maischberger", er habe sich damit an seinem 65. Geburtstag (am 20. Juni 2005) "ein Geschenk der Freiheit an mich selber" gemacht.
Im Streit um Drewermanns umstrittene Ansichten über die römische Amtskirche war ihm im Oktober 1991 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden. Anfang 1992 verhängte der damalige Paderborner Erzbischof Joachim Degenhardt ein Predigtverbot gegen Drewermann, auch die Ausübung des Priesteramtes wurde ihm untersagt.
Der 65-Jährige sagte in der ARD-Sendung: "Ich habe geglaubt, ich könnte in der katholischen Kirche Interpretationsbrücken schaffen, von der Botschaft Jesu zu der Not der Menschen hin. Daran leide ich nach wie vor, dass die katholische Kirche dies im Grunde verweigert." Der Papst-Kritiker wirft der Kirche vor, die Botschaft Gottes zerredet und sie ihrer Gefühls- und Symbolkraft beraubt zu haben. In zahlreichen Büchern habe er dargelegt, dass es nicht auf die Konfession ankomme, "sondern was für ein Mensch man ist", sagte Drewermann. Zugleich betonte er, sein Schritt bedeute keinesfalls ein Abwenden vom Glauben.
Kritik an Papst und Weltjugendtag
Der Psychotherapeut und erfolgreiche Buchautor, der auch das Zölibat als schädlich für die Priester angeprangert hat, hielt bis zum Verbot Vorlesungen über Religionsgeschichte und Dogmatik an der katholischen theologischen Fakultät in Paderborn. Auch zur Wahl von Papst Benedikt XVI. hat er sich kritisch geäußert. Den Weltjugendtag bezeichnete Drewermann als "reines Spaßevent, bei dem es nicht um die christlichen Inhalte gehe."
Quelle: WDR, 14.12.2005
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Drewermanns Kirchenaustritt – ein Signal, dass man die Kirche verlassen muss
Zur Tragweite des Schrittes eines prominenten Theologen
Eugen Drewermann hat kürzlich im Rahmen einer Talkshow bekanntgegeben, dass er im Sommer 2005 aus der Kirche ausgetreten ist. Sein Austritt ist der momentan schlagendste Beweis dafür, dass man aus der katholischen Kirche austreten muss, dass mit dieser Kirche tatsächlich absolut nichts mehr los ist. Jahrelang war der katholische Theologe Dr. Eugen Drewermann für alle intelligenteren Katholiken der entscheidende Grund, bei allen Zweifeln an der Kirche, bei allem Wissen um ihre diktatorische Kirchenleitung und ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Geschichte und Gegenwart trotzdem in dieser Kirche zu bleiben, weil doch ein so gelehrter, so belesener, so populärer, so von den Medien ständig in den Vordergrund gerückter Denker und Redner ebenfalls nicht daran zu denken schien, aus ihr auszutreten. Jahrelang hat Drewermann es sich nicht leicht gemacht, hat überlegt, sondiert, analysiert, ob es nicht letztlich doch eine Vereinbarkeit von Ethik, Humanität, Menschenrechten und Freiheit auf der einen und den Strukturen und Strategien der Kirche auf der anderen Seite geben könne.
Noch vor etwa zwei Jahren stellte ich Drewermann in einem persönlichen Gespräch die Frage, warum er nicht austrete. Damals schien er mir noch entschlossen zu sein, in der Kirche auszuharren. Er wolle, so sagte er mir, auch über alle Negativa der Kirche ohne Vorbehalt in der Öffentlichkeit sprechen, aber die Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, überlasse er den Menschen. Er werde mit diesem Schritt des Kirchenaustritts nicht vorangehen, antwortete er, als ich ihm mit dem Hinweis, es würden ihm ja Tausende folgen, Mut zu machen versuchte.
Nun ist dieser Mann, einer der klügsten Denker, die die katholische Kirche vorzuzuweisen hatte, doch noch ausgetreten. Für mich der absolute Beweis, dass er alle Argumente pro und contra Kirche ausgeschöpft hat und dadurch zu dem unwiderlegbaren Schluss gekommen ist: Es spricht nichts, aber auch nichts für das Verbleiben in der Kirche, es gibt keinen intelligenten, keinen moralischen, keinen humanitären Grund für dieses Verbleiben. Nur ein blindes und total unterwürfiges Schaf vermag noch im Pferch dieser Kirche auszuharren. Wer in der Kirche bleibt, hat alle Vernunft, alle Erkenntnis, alle Einsicht, alle Humanität gegen sich !
Dass Drewermann gerade jetzt, in der Zeit des von der Presse als so hoffnungsvoll charakterisierten Pontifikats Benedikts XVI. dessen Kirche verlässt, beweist obendrein, was ersterer vom Ratzinger-Papst hält: gar nichts! Bedenkt man sodann, dass Drewerman auch praktizierender Psychotherapeut ist und das Schwergewicht seines Denkens und Handelns auf die Gleichung »Religion = Praxis des Heilens« gelegt hat, dann geht daraus kristallklar hervor: Kirche ist für ihn nur noch die »Kirche des Unheils«.
Die Herren der Kirche sind sich der Tragweite des Schrittes von Drewermann noch gar nicht vollbewusst. Als ich als erster Theologieprofessor im 20. Jahrhundert 1972 aus der Kirche austrat, waren es im Zusammenhang mit meinem damals herausgegebenen Buch über die „Herren und Knechte der Kirche“ Tausende, die sie damals verließen. Nun aber könnten es Zehntausende, ja Hunderttausende sein, die wegen Drewermanns Popularität aus der Kirche ausscheiden. Lange Jahre hat sie Drewermann mit seinem Beispiel davon abgehalten, aus der Kirche auszutreten. Jetzt sollten sie konsequenterweise seinem neuen, endgültigen Schritt folgen und wie er diese Kirche verlassen. Ein letztes Symbol der Möglichkeit von Freiheit in der Kirche tritt ab und wird zum neuen, überzeugenden Symbol, dass Freiheit nur außerhalb der Kirche zu realisieren ist!
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