Pfarrer: "Mit denen nicht mehr sprechen"

Wir lebten in einem Ort in Österreich. Wir konnten uns nach und nach nicht mehr zur Institution Kirche mit ihrem ganzen Drum und Dran bekennen und traten aus der Kirche aus. Ich hatte noch einige Hemmungen, mein Mann trat ca. ½ Jahr vor mir aus. Dann ging es los: Wir verloren unsere Freunde, die über 20 Jahre engste Verbindung mit uns hatten und von Pfarrern, Dekan, Prälat, Bischof usw. über unseren Kirchenaustritt „aufgeklärt“ wurden. Es wurde ihnen von verschiedenen kirchlichen Stellen gesagt, sie sollen nicht mit uns sprechen, sonst erginge es ihnen genauso, wie einer uns noch befreundet gebliebenen Familie. Eine inzwischen gegründete Frauenrunde wurde vom Dekan beauftragt, dass diese Frauen nicht mehr mit mir sprechen dürften. Als eine Frau trotzdem mal mit mir sprechend gesehen wurde, wurde ihr gedroht, sie müsse die Runde verlassen... Ich spürte, wenn ich im Laden einkaufte, wie hinter mir getuschelt wurde, und, und, und…
Wir hatten damals einen selbständigen Betrieb, der auf eine lange Tradition (der Familie meines Mannes) zurückblickte. Daher war es im Beruflichen dasselbe!
Wir besuchten auch mal einen Vortrag im Haus der Begegnung in Innsbruck. Als ein junger Mann fragte, wie er sich Menschen gegenüber, die einer „Sekte“ angehören, verhalten solle, wurde ihm vom Vortragenden angeraten, er solle nicht mit ihnen sprechen, denn das wäre gefährlich.

Ingrid F. aus H.

Diskriminiert wegen angeblicher "Jugend-Sekte"

Kirchenmitgliedschaft und Christentum unvereinbar

Ich bin in einem im guten Sinne christlichen Elternhaus aufgewachsen.
Meine Eltern waren brave, anständige Leute, die auch ohne intensiven
Kontakt zur Kirche und ohne darüber überhaupt nachdenken zu müssen
aus ihrem eigenen Herzen und Gewissen heraus stets versuchten, sich
im Sinne der von Jesus und anderen spirituellen Lehrern gelehrten Prin-
zipien von Nächstenliebe, Mitgefühl, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft usw.
zu verhalten. Diese Prinzipien leuchteten mir ein. Nachdem ich in der
Grundschule in Religion eine "1" hatte, kamen mir im späteren Verlauf
von (durch Schule und Kirche) mehr oder weniger erzwungenem Schul-
gottestdienst bzw. Konfirmandenunterricht erste Zweifel. Nachdem ich das
jahrelang ertragen hatte, war ich nach der Konfirmation für einen Kirchen-
Besuch nicht mehr zu begeistern. Dennoch blieb ich der Kirche gegenüber
zunächst neutral bis freundlich eingestellt.

Im Alter von 19 Jahren begann ich zu meditieren, mit 25 begann ich aufgrund
eigener guter Erfahrungen eine eineinhalbjährige Meditationslehrerausbildung.
Gerade als ich die schließlich abgeschlossen hatte und mit viele Elan daran
ging, diese wunderbare Wissen auch anderen Menschen mitzuteilen, begann
die Kirche, meinen von mir aus großer Dankbarkeit hoch verehrten spirituellen
Lehrer, meine Freunde und mich als Mitglieder einer vermeintlichen "Jugend-
Sekte" zu diskriminieren. (1978)

Titelbild einer 1993 vom damaligen CDU-Generalsekretär vorgestellten
Broschüre der offenbar von "Sekten"-"Experten" verhetzten Jungen Union
Die Fliegenklatsche läßt keinen Zweifel daran, was mit lästigen In-Sekten
zu tun ist - genau genommen ein Mordaufruf. Jedenfalls fühlen sich Viele
durch eine solche Diktion an Deutschlands braune Vergangenheit erinnert.

Inzwischen dauert diese "Neue Inquisition" seit nahezu 30 Jahren an.
Viele Betroffene verloren Jobs, Wohnungen, Reputation, Aufträge, Geschäfts-
und Lebenspartner oder ernteten zumindest abfällige und diskriminierende
Kommentare ihrer Kollegen, Mitschüler oder Mitstudenten. Junge Pärchen
wurden von kirchlich verhetzten Eltern, die den Kontakt ihrer Kinder zu ver-
meintlichen "Sekten"-Mitgliedern unterbinden wollten, brutal auseinander
gerissen. Völlig harmlose Leute wurden beim (behördlich angemeldeten)
Verteilen von Handzetteln am Wegesrand von kirchlich verhetzten Passanten
angespuckt oder höchst aggressiv als "Faschist" etc. beschimpft und ernteten
dafür auch noch vom örtlichen "Weltanschauungsbeauftragten" Spott und Hohn.

Wer so mit spirituellen Minderheiten und Andersdenkenden umgeht, muss sich
nicht wurdern, wenn Leute - die so angegangen werden, sich ihrerseits
gründlicher mit der Kirche und Kirchengeschichte befassen und dann mit
den unangenehmen Erkenntnissen, die sie dabei gewinnen, nicht hinter
dem Berg halten. Das Internet ist voll von kirchenkritischen Seiten, welche
zeigen, daß die Kirchen kaum eine Berechtigung haben, sich "christlich"
zu nennen. Und es lohnt sich, solche Seiten gründlich zu lesen und darüber
nachzudenken. Meine Konsequenz war der Kirchenaustritt, den ich auch Anderen
nur empfehlen kann. Nachdem ich fast täglich weitere Informationen über
kirchliche Verfehlungen erhalte, bin ich inzwischen der Meinung, dass
Kirchenmitgliedschaft und Christentum unvereinbar sind.

Jesus würde einer solchen Gemeinschaftwohl kaum beitreten wollen.
Man lese dazu Matthäus 7 und 23

D.W. aus R.

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