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Bericht über meine Arbeitssuche in Deutschland von 1999 bis 2004
"Niemand darf wegen . seines Glaubens, seiner religiösen Anschauungen benachteiligt werden." Dies sind - so weiß ich aus eigener Erfahrung - nichts als leere Worte. Auch ich kann ein Lied von "religiöser Diskriminierung in Deutschland" singen. Anbei meine Erlebnisse betreffs Arbeitssuche mit einem "vorbelasteten" Lebenslauf:
Nachdem ich 10 Jahre für eine bekannte internationale religiöse Verlagsgesellschaft (in der BRD seit über 100 Jahren präsent und heute als gemeinnützig und KdÖR anerkannt) hauptsächlich im Ausland im IT-Sektor gearbeitet hatte, kehrte ich Anfang 1999 wieder in die Heimat zurück und versuchte, auf der Basis meiner weitgespannten beruflichen Erfahrungen und Sprachkenntnisse eine Anstellung zu finden. Doch umsonst - wo immer ich meine hervorragenden Zeugnisse (auch von meinem ursprünglichen Arbeitgeber, einem großen Konzern der chemischen Industrie, wo ich auch meine Berufsausbildung absolviert hatte) vorlegte, wurden sämtliche Bewerbungen mit Standard-Pauschalbegründungen, die auf mich NIE zutrafen, abgelehnt.
Nachdem dies eine ganze Weile so ging, wandte ich mich an einem Berater der IHK mit der Bitte, meine Bewerbungsunterlagen durchzusehen und mir Tips und Verbesserungsvorschläge zu geben. Als er meine Papiere durchsah und anerkennend zugeben mußte, daß meine Zeugnisse und Erfahrungen überdurchnittlich seien, stieß er auf das Zeugnis der o.a. Verlagsgesellschaft. Er prallte förmlich zurück und eröffnete mir mit sichtlicher Anspannung: "Ja, das ist natürlich klar, mit SO ETWAS können sie es vergessen, damit stellt sie NIEMAND ein." Auf meinen Einwand, daß es in dem Zeugnis nicht um religiöse Anschauungen gehe, sondern um rein professionelle Dinge und daß das Zeugnis sehr gut sei, entgegnete er: "Das spielt hier keine Rolle, allein schon der BRIEFKOPF SPRINGT EINEN AN WIE EIN TIGER, das ist wie, als wenn da stünde "Feuer und Schwert", da liest niemand mehr, was im Text steht."
Diese Einschätzung bestätigte sich im weiteren Verlauf meiner Arbeitssuche. Im Herbst 2000 gelang es mir - nach einer weiteren Phase dutzender erfolgloser Bewerbungen um geeignete Stellen - über Bekannte, eine Anstellung als externer Mitarbeiter in der EDV-Administration einer großen Frankfurter Bank zu finden. Anläßlich der Vorstellung seitens des IT-Dienstleisters fehlte in meinen Papieren seltsamerweise das "anstößige" Zeugnis - alles andere war da. Den Grund habe ich später erfahren: Man wußte beim Dienstleister genau, daß man mich in der Bank wegen des Zeugnisses nicht akzeptieren würde. Nun fragte der Interviewer der Bank, wo denn das Zeugnis für 10 Jahre IT-Tätigkeit sei; ich hatte eins dabei und gab es ihm. Als er es las, verfinsterte sich seine Miene, und er fragte: "Was - das sind doch die So-Und-So? Haben sie vor, hier mit ihren Traktaten und Zeitschriften missionieren zu gehen?" Ich gab ihm offensichtlich eine zufriedenstellende Antwort, denn ich wurde angenommen - vorerst. Dort war man sogleich aufgrund meiner Arbeit, meiner Berufserfahrungen sowie meiner perfekten englischen und französischen Sprachkenntnisse begeistert von mir und bot mir eine Direktanstellung seitens der Bank an; hierzu mußte ich jedoch meine Bewerbungsunterlagen der Personalabteilung übergeben. Danach änderte sich die Stimmung drastisch: Kein Wort mehr von Festanstellung, und einige Wochen später die Nachricht: Sofortiger Rauswurf, ich durfte die Bank nicht mal mehr betreten - offizielle Begründung: Ein schwerer Fehler meines Teamkollegen (IT-Ingenieur und DB-Admin), den ich hätte "besser überwachen" sollen, was eine fadenscheinige Begründung war, da sich der angebliche Fehler ereignete, als ich nicht anwesend war. Der zuständige Projektmanager des Dienstleisters - zu der Zeit wegen Überlastung schwer krank - regte sich so sehr darüber auf, daß er an den Folgen starb. Später erfuhr ich durch permanentes Nachfragen und Insistieren beim Dienstleister, daß, als meine Papiere zur PA kamen, man dort sah, mit "wem man es bei mir zu tun hatte" und die IT-Abtlg. unter Druck setzte, mich so schnell wie möglich los zu werden, egal wie. Also mußte ein Grund her, und der war mein Teamkollege, den ich angeblich hätte besser beaufsichtigen sollen, obwohl jener viel qualifizierter war als ich.
Dann ging es weiter mit erfolglosen Bewerbungen, ausnahmslos auf Stellen, für die ich 100%ig geeignet gewesen wäre (Englisch, Frz. war gefragt, Auslandserfahrung, IT-Admin-, Projekt-, Supportkenntnisse usw., ). In vielen Fällen standen die Stellen nach der mir erteilten Absage immer noch aus, monatelang, es hatten sich keine anderen Bewerber gefunden. In einigen Fällen habe ich durch Bekannte, die in den jeweiligen Unternehmen arbeiteten, erfahren, daß ich Jobs nicht bekommen habe, weil aus meinen Unterlagen hervorgeht, daß ich bei dem o.a. religiösen Verlag gearbeitet hatte. Z.B meinte man bei einer großen Behörde in Mainz, die dringend einen EDV-Supporter suchten, jedoch keinen fanden, einen "Sektenheini" nicht an ihre Daten lassen zu dürfen. Die Stelle blieb unbesetzt. Eine Bekannte, die dort arbeitete, erzählte mir später: "Du kannst Dir nicht vorstellen, welch einen Zoff es dort wegen Dir gab - die IT-Leute waren total begeistert von Dir und wollten Dich haben - PA aber sagte nein wegen deinem früheren Arbeitgeber."
Im Frühjahr 2002 wurde mir die Teilnahme an einer IT-Trainingsmaßnahme bei einem bekannten internationalen Elektronikkonzern gewährt. Es wurde den Teilnehmern in Aussicht gestellt, das von diesem Unternehmen ausgestellte Zertifikat sei "Gold wert" und fast schon eine Jobgarantie. Aufgrund meines Auftretens und Wissens wurde ich zum offiziellen Kurssprecher des Lehrgangs erkoren. In meinem Falle änderte sich jedoch an den Resultaten meiner Jobsuche nichts, denn es gab weiterhin und unverändert nur Ablehnungen seitens der Firmen mit den üblichen, auf mich nicht anwendbaren Pauschalbegründungen.
Einer der freiberuflichen Hauptdozenten des Bildungsträgers war jedoch so angetan von mir, daß er mir nach Abschluß des Lehrganges anbot, in seiner Firma (IT-Projekte, Consulting und Training) mitzuarbeiten. Das ließ sich zuerst ganz gut an, bis es auch hier nach kurzer Zeit Probleme gab: Die EDV-Leiterin eines großen Unternehmens, bei dem wir ein Projekt abwickeln sollten, sagte, sie wolle "absolut nichts mit den So-Und-So-Leuten zu tun haben, die kann sie nicht ausstehen, und die kommen ihr nicht ins Haus". Das zielte auf den Namen des Verlages ab, für den ich zuvor gearbeitet hatte. Und auch seine Frau sei ganz "geschockt" gewesen, als sie erfuhr, "was ich sei". Er selbst sagte, in seinen 15 Jahren Firmengeschichte im IT-Projektbereich sei es ihm noch nie untergekommen, daß die vermuteten privaten Anschauungen von Mitarbeitern derartig thematisiert werden. Und durch meinen Lebenslauf und das bewußte Zeugnis liege meine "offensichtliche Religion" "sehr provokativ auf dem Präsentierteller". U.U. müsse er damit rechnen, selbst in den Verdacht zu geraten, Firmen mit "Sekten" unterwandern zu wollen, wenn er mich bei Kunden in Projekten einsetzt. Zitat: "Aufgrund der Problematik i.V. mit deinem cv stehen Existenzen auf dem Spiel" - d.h., Kunden springen ab, wenn sie meinen zu wissen, welcher Religion ich angehöre.
Anläßlich eines befristeten Projektes in einer Wiesbadener Bank testete er beim dortigen Vorstand sowie bei der PA, wie man auf mein cv und das bewußte Zeugnis reagiert. Ergebnis: Als freier Mitarbeiter hätte man keine Probleme damit, jedoch bei Festanstellung, dann würde man einen Psychologen (!) hinzuziehen müssen, um sicherzustellen, daß ich nicht ein "durchgeknallter" Sektenjünger sei, der dann die gesamte Bank "bekehren" will. Da ich so lange bei diesem religiösen Verlag gearbeitet habe, sei ich "ein besonderer Fall".
All dies führte zu einer vorzeitigen Beendigung meiner Zusammenarbeit mit dem mir ansonsten und bis zuletzt sehr wohl gesonnenen Dozenten, der mich in seiner abschließenden Mitteilung seiner "persönlichen ungebrochenen Sympathie" versicherte. Zu einem Höhepunkt kam es dann Mitte 2003 i.V. mit einer Arbeitsvermittlerin, an die ich mich zwecks Unterstützung bei der Jobsuche wandte. Anfangs nahm sie mich bereitwilligst an und war hellauf begeistert von meinen Unterlagen, deren Qualität sie lobte, doch nach einigen Tagen begann sie, massive Probleme mit meiner "Vergangenheit" zu haben, nachdem sie "entdeckte, für wen ich gearbeitet hatte". Sie erklärte mir unumwunden, sie "sähe keine Chance für mich und keinen Sinn in weiteren Vermittlungsbemühungen ihrerseits, da das Zeugnis anzeige, daß ich ein HARDCORE-Sektenanhänger sei, da sonst niemand bei solch einer Gesellschaft arbeite und ich somit ein SICHERHEITSRISIKO für Firmen darstelle, weshalb mich auch niemand haben wolle." Sie persönlich würde auch keinen So-Und-So in ihrer Fa. haben wollen auf die Gefahr hin, daß man sie deshalb fragen würde "Was hast Du denn da für Leute, die mit religiösen Zeitschriften an den Straßenecken rumstehen". Auf meinen Einwand, daß Mitglieder der Großkirchen aufgrund der Mißstände innerhalb ihrer Kirchen doch auch nicht als "Sicherheitsrisiko" gelten, reagierte sie erbost, ich solle doch mit diesen "Kämpfchen" aufhören. Es kam dann fast zu einem gerichtlichen Nachspiel, weil sie von mir eine ihr nicht zustehende Unkostenpauschale von mehreren Hundert Euro erstattet haben wollte; dies wurde glücklicherweise durch eine Intervention des Arbeitsamtes abgewendet.
Ich kann mehrere Hundert abgelehnte Bewerbungen vorweisen, für Stellen, auf die meine Qualifikation mehr als hundertprozentig zugetroffen haben. Nicht jeder kann profunde IT-Kenntnisse, hoch interessante und komplexe IT-Projekte, sämtliche aktuellen IT-Zertifizierungen, zusammen mit perfekten englischen und französischen Sprachkenntnissen sowie Auslandserfahrungen vorweisen. Wo solches gefordert wurde und man die Mitteilung erhält "Aus der großen Anzahl an geeigneten Bewerbungen haben"Aus der großen Anzahl an geeigneten Bewerbungen haben wir jemanden ausgewählt, der qualifizierter ist als Sie" oder "Sie sind für diese Stelle überqualifiziert", kann etwas nicht stimmen. Unlängst machte mich ein Bekannter auf ein Stellenangebot seiner Fa. aufmerksam. Ich bewarb mich, man sagte, die Stelle gäbe es nicht mehr. Mein Bekannter war total überrascht; das war eine glatte Lüge. Heraus kam: Es wurde sonst niemand gefunden, und ich bekam die Stelle nicht - ja warum wohl? In einem anderen Fall bewarb ich mich - ebenfalls über einen Bekannten - bei einem großen Konzern um eine Stelle, deren Beschreibung perfekt meinem Profil entsprach. Monate später erhielt ich eine Absage - doch stand die gleiche Stelle eine Woche später unter neuem Namen in der örtlichen Zeitung erneut ausgeschrieben. Ähnliches erlebte ich mit anderen Firmen, in einem Falle sogar mehrmals hintereinander. Eine IT-Jobvermittlungsagentur berichtete mir von "großem Interesse" seitens eines Kunden, nur um mir einige Tage recht niedergeschlagen zu erklären, der Kunde habe plötzlich "das Interesse verloren", er wisse nicht warum; so etwas sei ihm noch nie untergekommen.
Ich habe Ende 2003/Anfang 2004 noch zwei weitere hochaktuelle IT-Schulungen us dem Linux-, Oracle und SAP-Bereich sowie Betriebswirtschaft und Logistik absolviert und habe dann mein durch meine seitens der Firmen vermutete Religionszugehörigkeit bewirktes Problem bei der Jobsuche gelöst wie weiland unsere Vorväter: Ich bin in die U.S.A. ausgewandert. Dort ist sicherlich auch nicht alles Gold, was glänzt, doch kommt es, zumindest was die (vermuteten) privaten Anschauungen eines Individuums anbelangt, nicht zu solch eklatanten Grundrechtsverletzungen wie in Deutschland. Ich setze nun meine - immer als herausragend beurteilten - Qualifikationen und Kompetenzen in Amerika ein, in Deutschland braucht man offenbar keine leistungsfähigen und qualifizierten Arbeitnehmer.
Mit freundlichem Gruss, Infotainment
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