Kirchenausstieg konkret – so geht's:

1. Personalausweis einpacken

2. Zum Standesamt gehen

3. Austrittserklärung ausfüllen (evtl. ist noch eine Bearbeitungsgebühr fällig, zwischen 5 und 15 €, je nach Bundesland)

4. Wieder rausgehen und – geschafft!




Noch Zweifel?

Sie tragen sich mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten, haben aber noch Zweifel, ob es wirklich der richtige Schritt ist?

Dann hilft Ihnen bei Ihrem Entscheidungsprozess vielleicht die Frage: Was hält Sie noch davon ab?

Ich kann noch nicht aus der Kirche austreten, weil ...


... ich nicht weiß, wie ich dann beerdigt werde.
Lachen Sie nicht. Das ist - wenn man sich ganz ehrlich prüft – einer der wichtigsten, meist jedoch unterbewussten Beweggründe, einen Kirchenaustritt aufzuschieben.
Die Kirchen haben den Menschen über viele Jahrhunderte eingetrichtert, dass in der „ewigen Verdammnis“ landet, wer aus ihr austritt. Solche Menschen erhielten kein kirchliches Begräbnis, waren verfemt und verflucht.
Steckt das nicht doch vielen von uns noch in den Knochen?
Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie erfahren, dass Jesus von Nazareth gar keine „ewige Verdammnis“ gelehrt hat! Die Stellen, die ihm diesbezüglich in der Bibel zugesprochen werden, sind nämlich alles andere als überzeugend. Das griechische Wort „aionios“, das die Theologen mit „ewig“ übersetzen, kann auch lediglich „von langer Dauer“ bedeuten.
Oder denken Sie einmal darüber nach: Würden Sie als Vater, als Mutter, eines ihrer Kinder auf ewig verstoßen, ohne jede Rückkehrmöglichkeit? Wie kann das dann ein liebender himmlischer Vater so einrichten? Wäre Er dann nicht grausamer, als wir Menschen es sein könnten?
Folgerichtig wurde im frühen Christentum die „Wiederherstellung aller Dinge“ gelehrt: Alle Seelen und Menschen werden einst wieder bei Gott sein. (Das kommt übrigens auch im Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ zum Ausdruck.) Origenes, der noch im 3. Jahrhundert diese Lehre vertrat, wurde erst im 6. Jahrhundert von der Kirche als „Ketzer“ verurteilt.
Im übrigen: Es gibt mittlerweile sehr gute nicht-konfessionelle Begräbnisredner und Bestatter, die auch (oder: gerade!) ohne die Anwesenheit eines Pfarrers eine würdige und besinnliche Feier mit Ihnen bzw. Ihren Angehörigen gemeinsam gestalten werden. Eine Möglichkeit finden Sie hier (Link zu Dieter)

... ich Angst davor habe, was meine Familienangehörigen/Nachbarn/Freunde dann sagen werden.
Weshalb soll nicht jeder Mensch in Glaubensdingen seinen eigenen Weg gehen können? Das muss das tolerante und verständnisvolle Zusammenleben keineswegs behindern, wie zahlreiche Beispiele zeigen.

... ich meine Kinder noch zur Kommunion/zur Konfirmation/zum Religionsunterricht schicken will – sonst werden sie vielleicht als Außenseiter behandelt.
Wie soll sich das mit den „Außenseitern“ jemals ändern, wenn nicht immer mehr Menschen den Mut aufbringen, zu Ihren persönlichen Glaubensüberzeugungen zu stehen?
Das Vorbild, das Sie damit Ihren Kindern geben, ist für deren Zukunft in einer demokratischen und toleranten Gesellschaft viel wichtiger als eine Anpassung, die nicht ehrlich ist.
Im frühen Christentum gab es keine Säuglingstaufe. Erst als erwachsener Mensch konnte man Mitglied einer Gemeinde werden. Weshalb lassen wir den Kindern nicht wieder die Freiheit, selbst über ihren Weg in weltanschaulichen Dingen zu entscheiden, wenn sie alt genug sind?
Auch darüber, ob sie den Ethik- oder den Religionsunterricht besuchen wollen, kann man die Kinder in entsprechendem Alter und im Gespräch mit den Eltern selbst entscheiden lassen. Der Unterrichtsbesuch ist in der Regel unabhängig von der „Konfessionszugehörigkeit“ des Kindes möglich.

... ich in einer kirchlichen Sozialeinrichtung beschäftigt bin und meinen Arbeitsplatz nicht verlieren möchte.
Da ist allerdings guter Rat teuer. Die Kirchen haben im sozialen Bereich fast eine Art Monopol über Arbeitsplätze, obwohl ihnen diese Einrichtungen zu fast 100 Prozent vom Staat und von den jeweiligen Nutzern bezahlt werden. Vielleicht gibt es ja für Sie die Möglichkeit, sich – eventuell mit anderen zusammen – in einer freien Einrichtung selbständig zu machen – oder auf ein benachbartes Berufsfeld auszuweichen.

... weil ich immer denke: Die Kirche tut ja so viel Gutes – das muss man doch unterstützen!
Hier können Sie ganz beruhigt sein: Durch Ihren Kirchenaustritt muss keine Sozialeinrichtung schließen. Das „Gute“, das die Kirche angeblich tut, das bezahlten nämlich wir alle: als Steuerzahler und als Nutzer der jeweiligen Einrichtung. Die Zuzahlungen der Kirchen zu ihren eigenen (!) Sozialeinrichtungen bewegen sich im unteren Prozentbereich. Überdies verfügen beide Großkirchen über immense Rücklagen und immenses Vermögen (einschließlich immobilein in bester Lage, Aktienpakete usw.), das sie aber für soziale Zwecke kaum einmal herausrücken werden.

... weil man doch irgendwo dazu gehören muss.
Welchen Wert haben eigentlich Bekannte oder Freunde, die uns in unseren religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen oder Zweifeln nicht ernst nehmen?
Haben Sie keine Sorge: Gehen Sie geradlinig Ihren Weg – und Sie werden auf Gleichgesinnte treffen!




Nun sind Sie ausgetreten.

Wie fühlen Sie sich? Befreit? Oder irgendwie alleine? Oder beides zugleich?

Ein kleiner Rat: Erwarten Sie nicht von sich, dass Sie sogleich auf alles eine optimale Lösung finden. Alles muss wachsen.

Haben Sie keine Sorge: Wer geradlinig seinen Weg geht, wer sich für sein Leben neue Ziele setzt und neue Wertvorstellungen vorgibt, nach denen er leben will, der wird früher oder später Gleichgesinnte finden, mit denen er sich austauschen oder zusammenfinden kann.

Finden Sie es selbst heraus!


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